FAQ – Häufige Fragen zu „Lesestart für Flüchtlingskinder“

Was ist „Lesestart für Flüchtlingskinder“?

„Lesestart für Flüchtlingskinder“ ist ein bundesweites Programm zur Leseförderung von Kindern in den Erstaufnahmeeinrichtungen. Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert und von der Stiftung Lesen von Oktober 2015 bis Oktober 2018 durchgeführt. In diesem Zeitraum sollen alle Landes-Erstaufnahmeeinrichtungen in Deutschland sowohl mit Materialien zum Lesen und Vorlesen ausgestattet werden wie auch professionelle Unterstützung bei der Gestaltung ihrer Vorlese-Angebote in den Spielstuben bekommen.

Alle Vorschulkinder (0-5-Jahre) erhalten im Rahmen des Programms ein speziell konzipiertes Lesestart-Set, bestehend aus einer Stofftasche mit einem Bilderbuch und einem kleinen Vorleseratgeber. Für die meisten Kinder wird es ihr erstes eigenes deutsches Buch sein und ein Geschenk, das sich unmittelbar an sie richtet. In einem begleitenden Flyer finden die Eltern erste Tipps zum Erzählen und Vorlesen. Die Sets eröffnen einen niedrigschwelligen, ersten Zugang zur deutschen Sprache.

Darüber hinaus gibt es für Kinder bis 12 Jahre in den Spielstuben, die viele der Einrichtungen haben, Lese- und Medienboxen mit altersgerechten Büchern und Spielen. So werden auch die älteren Kinder oder Geschwisterkinder eingebunden, indem auch ihnen ein erster Zugang zu sprachfördernden Lese- und Spielmedien ermöglicht wird. Die Lese- und Medienboxen verbleiben in den Spielstuben. Sie leisten auch einen Beitrag dazu, das kommunikative Miteinander in der Einrichtung zu stärken – was umso wichtiger ist, wenn Grundlagensprachkenntnisse noch nicht vorhanden sind.

Eine weitere wichtige Unterstützungsmaßnahme richtet sich unmittelbar an die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer sowie an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtung. Ein eigens konzipiertes Seminarprogramm zum Thema „Vorlesen und Erzählen für Flüchtlingskinder“ bietet Hilfestellungen und Qualifizierung. Außerdem unterstützt die Stiftung Lesen bei der Vernetzung von interessierten Erstaufnahmeeinrichtungen mit Vorleseinitiativen in ihrer Region, die dabei helfen können, regelmäßige und ehrenamtlich betreute Vorleseangebote in den Einrichtungen zu etablieren und fortzuführen.

 

Wie sollen Bücher und Geschichten den Kindern helfen?

Kinder, die mit Büchern und Geschichten aufwachsen, lernen später besser lesen und haben mehr Spaß daran. Das gilt für alle Kinder, unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrem Bildungshintergrund.  Mit dem Programm „Lesestart für Flüchtlingskinder“ möchten wir den Kindern, die neu in Deutschland sind, durch Geschichten erste Einblicke in den Alltag, die Kultur und die Sprache vermitteln. Sie bieten den Familien viele Gesprächsanlässe, sei es, um mit der neuen Situation und Sprache umzugehen oder aber die Neugier der Kinder auf die Schule zu wecken. In einem begleitenden Flyer finden die Eltern der Kinder erste Tipps zum Vorlesen und Erzählen im Alltag. Den Flyer gibt es bald in vielen verschiedenen Sprachen zum Download.

Die Lese- und Medienboxen sind so zusammengestellt, dass jüngere und ältere Kinder – auch gemeinsam mit den Eltern – angesprochen werden. Die Bücher und Spiele bieten einen leichten Einstieg in die deutsche Sprache und sind auch ohne Deutschkenntnisse zu verstehen. Das gemeinsame Spielen und Bücherbetrachten verbindet und bietet den Kindern Anregung und Beschäftigung im Familienalltag in den Erstaufnahmeeinrichtungen.

 

Wie werden Ehrenamtliche in das Programm eingebunden?

Eine erfolgreiche Durchführung des Programms „Lesestart für Flüchtlingskinder“ wäre ohne das Engagement von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern nicht möglich. Durch ihre Vorleseangebote in den Spielstuben können die Kinder in die Welt der Bücher und Geschichten eintauchen und haben so gleichzeitig einen spielerischen Zugang zur deutschen Sprache.

Die ehrenamtlichen Vorleser müssen aber häufig erst noch gefunden werden. Für die Unterstützung bei der Vorbereitung und Gestaltung von Vorlese- und Erzählstunden bringt die Stiftung Lesen interessierte Einrichtungen mit bestehenden Vorleseinitiativen und Ehrenamtlichen vor Ort zusammen.

Um die Vorleserinnen und Vorleser auf ihre Arbeit mit geflüchteten Kindern vorzubereiten, bietet die Stiftung Lesen für die am Programm teilnehmenden Einrichtungen kostenlose Seminare zum Thema „Vorlesen und Erzählen für Flüchtlingskinder“ an. Speziell geschulte Referentinnen und Referenten vermitteln praxiserprobte Tipps für erfolgreiche Vorlese- und Erzählstunden für Flüchtlingskinder. Die Seminarteilnehmer werden einerseits sensibilisiert für den Umgang mit Kindern mit Fluchterfahrung sowie den Umgang mit Sprachbarrieren. Andererseits bekommen sie Anregungen, wie sie mit Herausforderungen umgehen können. Je besser die Vorleserinnen und Vorleser auf ihre Aufgabe vorbereitet sind, umso erfolgreicher verlaufen die Vorlese- und Erzählstunden in der Praxis, so dass sie den Kindern ermöglichen, ein Stück „Normalität“ zu erleben.

 

Wer kann an den Schulungen teilnehmen?

Die Schulung richtet sich an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Erstaufnahmeeinrichtungen sowie Ehrenamtliche, die in den Einrichtungen mit den Kindern arbeiten. Das können sowohl Haupt- und Ehrenamtliche sein, bei denen das Vorlesen und Erzählen bisher noch keine Rolle bei der Betreuung der Kinder gespielt hat, als auch solche, die schon Erfahrungen gesammelt haben. In der Schulung wird auf die Bedeutung des Themas Vorlesen und Erzählen gerade im Kontext einer neuen (Sprach-)Umgebung aufmerksam gemacht und es werden konkrete Tipps zur Umsetzung von Vorleseangeboten gegeben. So werden Vorleseerfahrene und -anfänger gleichermaßen begeistert und informiert.

 

Wo kann ich mich als ehrenamtlicher Vorleser engagieren?

Die Koordination ehrenamtlicher Vorleser vor Ort wird sehr unterschiedlich gehandhabt. In vielen Erstaufnahmeeinrichtungen engagieren sich bereits Ehrenamtliche, die Vorlesestunden anbieten. Da die Stiftung Lesen keine Einzelvermittlung von Interessenten an die Erstaufnahmeeinrichtungen leisten kann, empfehlen wir, sich regionalen Netzwerken der Flüchtlingshilfe bzw. der Leseförderung anzuschließen. Hilfreich sind auch Informationen der örtlichen Vorleseinitiativen, Wohlfahrtsverbände und Ehrenamtsinitiativen.

 

Wie sieht der Zeitplan aus?

Im Dezember 2015 versendete die Stiftung Lesen zum ersten Mal Sets und Lese- und Medienboxen an Erstaufnahmeeinrichtungen. Bis Ende 2016 möchten wir möglichst alle Erstaufnahmeeinrichtungen in Deutschland in das Programm einbinden und sie zum ersten Mal mit Programm-Materialien ausstatten. Bis 2018 sollen die Erstaufnahmeeinrichtungen dann jährlich mit Materialien beliefert werden und jede Einrichtung, die Interesse hat, kann sich für das begleitende Seminar-Programm zum Thema „Vorlesen und Erzählen für Flüchtlingskinder“ anmelden.

 

Warum engagiert sich das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)?

Ziel des BMBF ist es, die Bildungschancen für Kinder und Jugendliche in Deutschland zu verbessern. Dies gilt gerade auch für Kinder und Jugendliche, die zu uns geflüchtet sind. „Lesestart für Flüchtlingskinder“ hilft diesen Kindern beim ersten Schritt in die für sie oft noch fremde Umgebung und leistet einen ersten Beitrag zum Erlernen der deutschen Sprache – denn Sprache ist der Schlüssel zu Bildung. Und Integration kann nur über Bildung gelingen.

 

Warum engagiert sich die Stiftung Lesen?

Die Stiftung Lesen versteht sich als Anwalt für Lese- und Medienkompetenz in Deutschland mit dem Auftrag, sich für die Verbesserung der programmlichen und finanziellen Rahmenbedingungen für Leseförderung und Medienkompetenz einzusetzen. Sie fungiert als bundesweiter Ansprechpartner und Akteur für Leseförderung und gestaltet die „Leselandschaft Deutschland“ mit wissenschaftlichen Studien, politischen Empfehlungen und Programmen nachhaltig mit. Mit dem Programm „Lesestart für Flüchtlingskinder engagiert sich die Stiftung Lesen dafür, auch Kinder, die gerade erst in Deutschland angekommen sind, zu unterstützen.